Sampsa Indrén – Artist Statement
Im Zentrum meiner künstlerischen Praxis stehen Zeichnung und Malerei, die auf Beobachtung basieren. Mein Werk umfasst großformatige realistische Ölgemälde, expressive Kohle-, Kreide- und Mixed-Media-Zeichnungen sowie Linoldrucke.
Ich nehme die Welt in Bildern wahr. Die Wirklichkeit verarbeite ich weitgehend als einen Strom von Bildern, die in mir herumwirbeln – einige davon prägen sich mir lebendig und detailreich ein, andere eher als formlose Masse. Dieses sich in ständiger Bewegung befindliche Bewusstseins-Kaleidoskop erfasst Ereignisse und Atmosphären durch verschiedene innere Filter, die von einer Vielzahl von Faktoren abhängig sind: Aufmerksamkeit, Stimmung, Begehren, Licht, Herzfrequenz, und sogar ein salziger Geschmack auf der Zunge. Wenn ich mit einer Arbeit anfange, gehe ich meist von einem konkreten Modell oder Sujet aus. Im weiteren Verlauf abstrahiere ich aber oft immer stärker, wird das Werk aber oft immer abstrakter, je nachdem, wohin der Arbeitsprozess mich trägt.
Man kann leicht ein präzise ausgeführtes realistisches Bild für seine technische Meisterschaft würdigen, um sich aber zu einem wirklichen Kunstwerk zu verdichten, muss es, so finde ich, auch etwas Irritierendes und schwer Fassbares an sich haben – wie das Leben selbst.
Brüche und Unvorhersehbarkeit sind in meiner Kunst untrennbar verknüpft mit der Endlichkeit des Daseins. Ich sammle Tierkadaver an Straßenrändern, in Wäldern und auf den Inseln weit draußen im Meer, manchmal mache ich auch gleich Skizzen vor Ort. Mich fasziniert der Tod als Thema oder Ausgangspunkt meiner Arbeiten, er offenbart etwas existenziell Zerbrechliches, das letztlich alles Organische miteinander teilt. Ich versuche mich der Vergänglichkeit mit Freude zu nähern, den nährenden Aspekt der Sterblichkeit zu feiern: Der Tod ist die Grenze und die Umrisslinie, die das Leben allererst sichtbar macht, der Schatten, der die Form gebiert. Ohne Bewusstsein der Endlichkeit gibt es keine Leidenschaft, keine Liebe, keinen Verlust, keine Trauer. Der Tod ist der Botschafter der Gleichheit, der alle Hierarchien einebnet und alle lebende Materie in eine fruchtbare Ursuppe verwandelt, aus der neue kleine, ihrerseits endliche Anfänge wieder hervorwachsen.
Wenn das Leben ein endloser Prozess des Gehenlassens ist, müssen wir unbedingt diese Kleinodien wahrnehmen, das, was wir nicht verlieren wollen. Meine Arbeiten erinnern die Betrachter*innen daran, die gefundene Liebe und Intimität mit ganzer Kraft festzuhalten.
Mein Interesse gilt nicht den polierten oder überhöhten menschlichen Figuren aus den Social-Media-Feeds; stattdessen nehme ich die physische menschliche Präsenz in den Blick – das Rohmaterial (Lat.: materia). Die Oberfläche meiner Arbeiten erscheint roh, verwundbar, fast wie gehäutet, und sie reagiert empfindsam auf alles, was sie berührt. Die Bilder sind empfänglich für Melancholie und Aggression, für den wehmütigen Schmerz des Loslassens und für die Freude der Wiedergeburt, des Begehrens und der Scham. Befreit vom Ego ist der menschliche Körper in meinen Werken verwundbar und fleischlich, mit all seinen Falten, Vertiefungen und Narben. Ich betrachte diese Spuren – wie Kaiserschnittnarben oder die Röte nach der Sauna – als Auszeichnung, als eine Art Orden, und wie Wachstumsringe der Menschen. Indem ich solche unverfälschten Momente früher kirchlicher Kunst, der Madonnen-Ikonografie oder den Themen modernistischer Meister gegenüberstelle, werden meine Werke zu Bündeln pulsierender Sehnsucht: ein Dialog der Kontraste, der die alltägliche Verletzlichkeit heiligt.
Seit ich im Jahr 2012 mein Kunststudium an der Universität für Kunst und Design Helsinki abgeschlossen habe (MFA), bin ich als freischaffender Künstler tätig. Meine Werke sind in der finnischen Staatssammlung vertreten und auch in vielen privaten Sammlungen, sowohl national als auch international.
Abb oben.: Vögel, 2015, Linolschnitt und Tusche auf Papier, 37 x 26 cm

Sampsa Indrén
Visible Line, 2025, Aquarell, 26 x 41 cm Bildmaß

Sampsa Indrén
The Artist‘s Wife, 2012
Öl auf Leinwand,, 160 x 140 cm
